Das Inhaltsverzeichnis des neuen Blaues Buches hat 28 Kapitel und Unterkapitel, also ne Menge Holz. Hier ein kleiner Auszug:

Ich greife mal den Punkt "Wie fängt man an" ab S. 46 heraus, weil der unmittelbaren Bezug zu diesem Forum hat. Denn hier posten viele Anlagenbauer in spe ihre grundsätzlichen Ideen und bitten um Hilfe bei der Erstellung eines passenden Gleisplans. Und um die Anfragen nicht zu diffus werden zu lassen, hat Mark Stutz vor 15 Jahren diesen Fragebogen gepostet, den es immer noch gibt. Er ist nicht allein seine Idee, sondern hat den Ursprung in Jaffas Trickkiste, und einige weitere Modellbahner waren ebenfalls beteiligt. Hauptzweck der Liste war sicherzustellen, dass der Poster an alle wichtigen Parameter gedacht hatte und die Mitplaner nicht Dinge vorschlugen, die a priori nicht gingen. Hier nochmal kurz die Punkte dieses Fragebogens:

Der steht in gleicher Forum auch im H0-Forum. Nun sind 15 Jahre eine lange Zeit, und die Zeit ist auch über diese Liste hinweggegangen, so dass sie heute nicht mehr als aktuell anzusehen ist. Auch Anlagenplanung entwickelt sich weiter. Die Liste führt eine ganze Reihe von Punkten auf, die entweder selbstverständlich sind oder nicht wichtig für die Planung oder gar nicht im Voraus bestimmt werden können, weil sie sich erst während der Planungsphase ergeben.
Da sind also schon ne ganze Reihe von Punkten aufgeführt, die man zumindest zu Beginn der Planung noch nicht braucht. Andererseits - und das ist viel wichtiger - fehlen aus heutiger Sicht einige eminent wichtige Punkte.
Bevor ich auf einzelne Punkte eingehe, noch etwas Grundsätzliches. Mark hatte den Fragebogen in einem besonderen Thread gepostet, in dem einige User auch kommentiert haben; nicht gerade viele, aber doch ein paar, hier der aus meiner Sicht wichtigeste Kommentar:
Zitat von Railwolf im Beitrag Fragebogen für die Planungshilfe
Ich störe mich schon seit geraumer Zeit an Punkt 4.1: "Modellbahn vs. Spielbahn" ist eine tendenziell polemische Polarisierung ohne Inhalt. Der Informationsgewinn dieses Punktes ist kleinergleich Null, denn natürlich will jeder eine Modellbahn, weil "Spielbahn" negativ besetzt ist. Gleichzeitig will jeder auch spielen... und was soll man aus der Antwort erkennen? Was ist gemeint? (Genannt sind jeweils die ungefähren Extrempunkte) Die Bauform der Weichen (kurz à la Märklin-M-Gleis oder Richtung maßstäblich)? Die Zusammenstellung der Züge (epochenrein vorbildgerecht oder "alles, was gefällt, auch mal ne Gt2*4/4 vor dem IC2")? Abläufe auf der Anlage (nach EBO oder "was ihr wollt")? Vorbildentsprechende Gleisstrukturen (alles entspricht einer Logik oder "wie es euch gefällt")? Vorbildgetreue Gestaltung (maßstäbliche Wiedergabe eines bestimmten Ortes in allen Einzelheiten oder frei erfunden)?
Railwolf hat prinzipiell Recht. So wie er da steht macht der Punkt gar keinen Sinn. Und zwar in erster Linie deshalb, weil nicht definiert ist, was Modellbahn und was Spielbahn ist, bzw. was damit in diesem Kontext gemeint sein soll. So legt jeder Poster die Begriffe nach seiner Façon aus, und das Ganze bringt nichts, da hat Railwolf absolut Recht. Ich habe mich auch schon lange an diesem Punkt gestört und über meine Definitionen viel nachgedacht. Hier meine Ansicht dazu, wobei ich ganz bewusst den etwas schwammigen Begriff Modellbahn durch den Begriff
Modell-Eisenbahn ersetze, weil nur der wirklich einen Gegensatz zur Spielbahn bildet:
Eine Modell-Eisenbahn soll ein Teilstück der richtigen Eisenbahn nachstellen.a) visuell
b) funktional.ad a) Der visuelle Punkt ist in der Modellbahnpresse gut bedient, um gewisse Teilaspekte wird ein übertriebener Hype gemacht. Eine Anlage kann auch ohne elektrostatisch aufgerichtetes Gras überzeugend das Modell einer Eisenbahn darstellen.
ad b) Eine Anlage, auf der die Züge undefiniert herumfahren, im Kreis, im Schlingschlang oder sonst irgendwie ziellos, kann nie und nimmer eine Modell-Eisenbahn sein. Sie ist eine Spielbahn, auch wenn der Fahrbetrieb perfekt automatisiert ist und viele nach Vorbildfotos zusammengestellte Züge paradieren lässt.
Definition einer Modell-Eisenbahnhier in Form von Fragebogen-Punkten:
• Von wo nach wo sollen die Züge fahren?
• Wo ist der dargestellte Ausschnitt mit der realen Eisenbahn (gedachterweise) verbunden?
• Wie wird die restliche Eisenbahn (die große weite Bahnwelt) auf der Anlage dargestellt (Fiddleyard, Schattenbahnhof, Kassetten)
• Welche Bahnkunden gibt es auf der Anlage (Gleisanschließer oder Benutzer der öffentl. Ladestraße), die ganze Wagenladungen mit der Bahn bekommen oder versenden (Wagenladungsverkehr)? Liegen die Empfänger oder Versender am anderen Ende des Transportweges ebenfalls auf der Anlage oder außerhalb?
Wenn diese Fragen zumindest grob geklärt sind, kann es an den Gleisplan gehen, der natürlich die Abwickung der vorgernannten Prozesse ermöglichen muss. Dazu muss er vom Prinzip her linear sein (s. Unterkapitel ab S. 52). Und er werden keine Fahr- und Rangiermöglichkeiten geschaffen, sondern Fahr- und Rangier
anlässe, die nach einem zu erstellenden System durchgeführt werden müssen. Darüber berichte ich in Kürze.

Gruß
Otto