Hi Stummis, ich bin seit kurzem Besitzer eines Bohrständers mitsamt Koordinatentisch (Proxxon MB200 & KT 70). ALs Fräsmotor nutze ich einen FBS 12 ef mit 5000-15000 U/min. Für einige mechanische Basteleien wie zum Beispiel Weichenantriebe möchte ich mir aus 2mm Polystyrolplatten Formen herausfräsen. Also bin ich direkt in den nächsten Baumarkt gegangen und habe mir dort einen 0,8mm Nutfräser gekauft (sah mir am besten dafür aus).
Bei Fräsen hat sich immer wieder um den Fräser ein dicker Plastikklumpen gebildet. Nachdem ich ein bisschen mit Drehzahl und Vorschub gespielt habe, ging es einigermaßen mit dem Verklumpen, die Kanten fransten allerdings immer noch stark aus.
Ich habe mich jetzt mal ein bisschen schlau gemacht und mir heute einen zweischneidigen Universalfräser gekauft. Der war als einziger mit zwei Schneiden, welche mit einer gab es gar nicht. Der hat ein Durchmesser von 3,2mm und ist 7cm lang, also ziemlich grob. Außerdem ist er so gedreht, dass er das Werkstück auf den Tisch drückt. Wenn ich mit dem fräse, dann rattert es bei geringer Geschwindigkeit ziemlich laut. drehe ich meinen Feinbohrschleifer gut auf, dann bildet sich hinter dem Fräser beim durchfahren durchs Polystyrol ein Wulst aus geschmolzenem Plastik. So ähnlich wie beim Sahne schlagen . Fahre ich dann nochmal zurück, geht der ab und es bleibt eine einigermaßen akzeptable Kante. Wenn ich dann aber solche Videos sehe, fände ich es schon toll, auch annähernd solche Ergebnisse zu erzielen. https://www.youtube.com/watch?v=sO6zQB_mubs
Von proxxon gibt es Schaftfräser mit ebenfalls zwei Schneiden: http://www.proxxon.com/de/micromot/einsa...raesen.php?list Dort in der Unter Hartmetallfräser die Nummern 28 758, 28 759, 28 761. Allerdings bin ich mir auch da unsicher, ob die was taugen.
vielleicht kann mir jemand von euch einen Tipp geben. Knuffel
sauberes Fräsen geht nur mit Kühl- und Schmiermittel. Bei Eisenmetallen nimmt man Schneidöl oder eine Schneidöl-Wasseremulsion, die auch bei Buntmetallen gut ist. Für Alu nimmt man (Brenn-)Spritus. Die richtigen Drehzahlen findet man in den Tabeellen der Fachbücher oder im Internet. Auch für Polystyrol (PS) gibt es dort vielleicht Hinweise. Ich selbst habe nur Erfahrung mit Acrylglas (Plexi), bei dem ich ein Schneidölspray verwendet habe. Man kann auch mit Wasser, Luft oder Dieselkraftstoff schmiern bzw. kühlen. Bei den Plasten mit den niedrigen Schmelzpunkten (wie PS) können Drehzahl und Vorschub gar nicht klein genug sein und das Schmiermittel darf das PS natürlich nicht anlösen, was wohl selbstverständlich ist.
wie der Vorredner und du selbst schon festgestellt hat: wenn das Werkstück schmilzt, läuft das Werkzeug zu schnell (oder ist stumpf). Zudem sollte das Werkstück fest eingespannt sein. Evtl. nimmst du auch zuviel Material auf einmal weg - d.h. mehrmals fräsen.
bin zwar auch kein Experte, aber ich denke, Du hast den falschen Fräser. Nimm einen Einscheidenfräser. Mit minimaler Drehzahl sollte es gehen. Habe es selber so mit der Proxxon MF70 gemacht. Aber es ist möglich, daß es schmilzt, obwohl Du schon kurbelst wie ein Held. Dann machs wie ich und baue Dir einen Anschlag und führe daran das Werkstück zügig und gleichmäßig!!! lang. D.h. zu langsamer Vorschub ist großer Mist. Ich habe mal gelesen, bei PS sollten es 3cm/sec sein. Selber habe ich es nach Gefühl gemacht... Du solltest es auch von oben beschweren ( oder einen Vakuumtisch nehmen...), damit es plan aufliegt. Wird sonst vom Fräser "angesaugt". Das Plaste von Shapeways (FUD-Qualität ) geht übrigens wunderbar zu fräsen, auch in normaler Zustellung auf dem Kreuztisch. (siehe Link in meiner Signatur )
Polystyrol ist zum Fräsen eigentlich nicht so gut geeignet. Pom ist besser. Jetzt fragt mich nicht was Pom ist, kann ich auch nicht sagen nur so viel, es lässt sich wunderbar zerspanen genau wie Werkzeugstahl.
Hier ist meine Erfahrung die ich letztens mit Polystyrol gewonnen habe die auch heute von einem Werkzeugmeister bestätigt wurden.
Zurück zu Polystyrol. Hierfür ist ein einschneidiger Fräser die richtige Wahl den man aber fast nicht bekommt. Es geht aber auch mit 2 schneidigen Fräsern, es ist aber nur mit der nötigen Kühlung von Werkzeug und Werkstoff machbar. Als Kühlung ist für den Heimwerker Wasser ausreichend nur es muss in ständigem Fluss aufgespült werden, nur ein par Tropfen oder mit dem Pinsel das genügt nicht. Wenn Du nicht genug kühlst wird das Plastik halt heiß bis zum Schmelzpunkt und verformt sich. Die Drehzahl für einen 0,8 mm Fräser ist hoch zu wählen sonst fransen die Ränder auch bei Kühlung aus.
Die Drehzahl des Werkzeugs richtet sich nach dem Durchmesser, je kleiner der Durchmesser je größer die Drehzahl aber nur mit Kühlung. Ohne Kühlung kannst Du das saubere zerspanen von Kunststoff vergessen. Warte noch ein par Tage und gehe mit dem Bohrzentrum ins Freie und kippe Wasser drauf und das Ergebnis stimmt.
Vor kurzem hatte ich zugesehen wie ABS Platten mit 1,5 mm gefräst wurden. Die Drehzahl war etwa 2000, nicht mehr. Das Ergebnis war zufriedenstellend, allerdings ist bei ABS der Schmelzpunkt höher und das Material dichter was sich in einem besseren zerspanen niederschlägt.
Grüße von Kurt dem Schachtelbahner aus dem Nationalpark Nahe Hunsrück bleibt Corona negativ
Kunststoff ist - ein bisschen - schwieriger zu bearbeiten als die Metalle. Das haben Dir meine Vorschreiber schon bestätigt.
Zitat von Schachtelbahner... Polystyrol ist zum Fräsen eigentlich nicht so gut geeignet. Pom ist besser. Jetzt fragt mich nicht was Pom ist, kann ich auch nicht sagen nur so viel, es lässt sich wunderbar zerspanen genau wie Werkzeugstahl.
Da kann ich helfen: POM ist Polyoxymethlyen (PS ist übrigens das Kürzel für Polystyrol und ABS für Acrylbutadienstyrol, falls dies jemand nachschlagen möchte).
Durch die mechanische Verformung des Werkstoffes an der Schneide des Fräsers wird dieser Werkstoff sehr heiß! Wenn die entstehende Wärme nicht schnell genug abgeführt wird, fängt der Werkstoff an zu schmelzen und schmiert. Das hat Knuffel schon sehr schön praktisch erfahren.
Kühlung heißt entweder Druckluft (Farbspritzpistole / Airbrush im Haus?) oder Wasser mit einem Kühlschmierstoffkonzentrat versetzt verwenden (die Schmierstoffemulsion bitte nicht ins Abwasser, sondern auffangen und entsorgen). Alternativ geht auch ein so geringer Vorschub und eine so geringe Abtragstiefe, dass nicht genügend Energie als Wärme in den Werkstoff eingetragen wird und dieser zum Schmelzen kommt. Öl, Spiritus, etc. sind ungeeignet für Kühlung (liegt an der fehlenden hohen Verdampfungsenergie).
Bei PS bitte unbedingt auf Aceton-freie Reiniger oder Kühlschmiermittel achten. PS verträgt kein Aceton!
Gruß, Heinz
Tried to reduce to the max Ich weiß, nicht immer einfach, aber einfach kann ja jeder. Was noch fehlt? "Ein Sack voll Zeit"
hier findest du die Antwort auf deine Frage http://www.ensinger-online.com/uploads/m...ngen.pdf_03.pdf Aus eigener Erfahrung kann ich nur bestätigen, dass man nicht kühlen muss. Entscheidend ist die Drehzahl, Vorschub und Schnitttiefe und die Schmelztemparatur (plastische Verformung) des Materials.
Hi Stummis, vielen Dank für die ganzen Antworten. Ich habe in der Gegend noch eine Anlaufstelle gefunden, bei der ich evtl. passende Fräser bekommen kann. Wenn es da nichts wird, bemühe ich mal die Post. Mit dem kühlen mit Wasser tue ich mich noch ein bisschen schwer, da die Achsen des Koordinatentisches geschmiert sind. Sollte es aber auch mit dem Fräser keine Verbesserung geben, baue ich mir eine kleine Wanne auf den Tisch, in der ich dann fräsen kann. Ich habe bis jetzt immer etwas Luft gepustet, das hilft ja vielleicht auch schon etwas.
Hi Stummis, ich habe letztenendes die Proxxxon Fräser probiert, da ein Freund mit denen sehr gute Erfahrungen gemacht hat. Die Drehzahl leigt bei 3000U/min, also dem Minimum der Maschine. Den Vorschub kann ich zwar nicht genau nennen, er dürfte aber bei ca. 1,5mm/sec. liegen. Dann noch eine Zustellung von 1mm (nutze den 1mm Fräser) und die Platten werden sehr sauber gefräst. So eine Wanne zur Kühlung habe ich mir zwar schon gebaut, ich brauche sie aber gar nicht.
Eine Abschlussfrage hätte ich noch: Ich habe bis jetzt mit den STufenspannpratzen gespannt und als Opferplatte eine Sandwichpappe genommen. Die ist aber weich, sodass sich die PS-Platte an den Rändern nach unten gebogen hat. Wenn ich jetzt eine Sperrholzplatte unterlege, verkürzt das die Standzeit des Fräser, oder macht sich das nicht bemerkbar? Oder gibt es andere Materialien, die besser zum unterlegen geeignet sind?
@ Oliver: die Teile sehen klasse aus. Es sind Profile für Bahnsteigdächer, oder? Hast du die Radien mit einer CNC-Fräse hergestellt oder ist das manuell gemacht)
Das sind die ersten Teile für meinen entstehenden Bahnhof Berlin Friedrichstrasse viewtopic.php?f=15&t=113317. Ein mehr oder minder kompletter Baubericht folgt zu gegebener Zeit.
ZitatHast du die Radien mit einer CNC-Fräse hergestellt oder ist das manuell gemacht
Das ist komplett gefräst, allerdings in drei Schichten, die hinterher aufeinander geklebt werden. Nur das unterste Teil besteht aus einer Schicht.