RE: Zu Pfingsten mit dem IC von Duisburg nach Ribnitz-Damgarten West ,gebucht, bezahlt - geht nicht

#1 von Aristides ( gelöscht ) , 10.05.2018 22:36

Liebe Forumleser,

die Deutsche Bahn "AGä" verkaufte mir eine schöne Fahrkarte für den IC ab Duisburg bis nach Ribnitz-Damgarten für Pfingstsonntag. Bis dahin, d.h. 15. 4. 2018 ( ????), sei auch die Strecke nach umfänglicher Reparatur wieder frei, neu aufgebaut, huiiii-buiiiii, ab die Bahn. Ich fahre auf dieser Strecke seit 2011 regelmäßig im Frühjahr. Ich kenne sie.

Nun lese ich vorsichtshalber in "Fahrplanauskunft DB AG" ,dass man in Schwerin aussteigt und bis Rostock mit dem Bus (Schienenersatzverkehr) fährt, dann wieder "sechs Minuten Fußmarsch" mit Gepäck zum Bahnhof latscht, in den Zug steigt und bis Ribnitz-Damgarten West fahren kann. Termine? Kennen die nicht. Zusagen im Fahrplan - gelten nicht. Warnung an Kunden - gibt es nicht.

Sind diese Leute bei der DB AG eigentlich mit dem Klammerbeutel gepudert? Ich verkaufe meinen Kunden doch auch nicht zwanzig Liter Bier und sage denen - hahaha - Bier ja, aber kein Faß dazu, das müsst Ihr schon selber mitbringen, ich verkaufe nur Bier. Und dann lasse ich mir das Geld auch noch bar im Voraus geben!

Ich trauere der sogen. Beamtenbahn sehr hinterher, denn die kam. Die Inkompetenz wird immer größer: " Das Land, in dem wir gut und gerne leben." .... hmmmm, tja, war die Dame nicht aus M.-Vorpommern? Oder doch eher aus Bongo-Bongo-Land?

Grüß Euch alle,
Herbert


Aristides

RE: Zu Pfingsten mit dem IC von Duisburg nach Ribnitz-Damgarten West ,gebucht, bezahlt - geht nicht

#2 von X2000 , 10.05.2018 22:54

Baustellen gibt es überall, egal ob Schiene oder Strasse. Dass sie dich nicht informieren ist natürlich nicht so gut. Alternativ mit dem Auto ist auch nicht besser- es sei denn du magst Staus. Ob die Beamtenbahn besser war, sei dahingestellt.


Gruß

Martin


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RE: Zu Pfingsten mit dem IC von Duisburg nach Ribnitz-Damgarten West ,gebucht, bezahlt - geht nicht

#3 von Viet Bui ( gelöscht ) , 10.05.2018 23:05

Guten Tag Herbert,

ich vermute mal, dass Du mit einem Sparpreis der DB unterwegs sein wirst (der einzige Grund, weshalb man derart früh bucht). Generell unterliegen Sparpreise der DB, weil sie kontingentiert sind, einer Zugbindung, das heißt, die auf der Fahrkahrte festgelegte Reisekette muss eingehalten werden.
Ohne jetzt Genaueres zu Deiner Fahrt zu wissen, gehe ich mal davon aus, dass Du für gewöhnlich mit dem IC 2212 von Duisburg Hbf bis Ribnitz-Darmgarten West durchfährst.
Der IC 2212 endet am 30.5.18 in Schwerin, so dass Dir deshalb die Fahrplanauskunft eine alternative Reiseverbindung vorschlägt. Da diese Änderung zum Zeitpunkt des Kaufs nicht bekannt war, ist die Zugbindung aufgehoben. Das kannst Du Dir übrigens im Reisezentrum bestätigen lassen. Das heißt, Du darfst jeden nicht reservierungspflichtigen Zug in Richtung Ziel nutzen.
An Deiner Stelle würde ich daher über Berlin fahren (um das Busfahren zu vermeiden) oder wenn Du zwingend vor 14 Uhr ankommen musst, würde ich eine Verbindung eher nehmen.

Zitat

Und dann lasse ich mir das Geld auch noch bar im Voraus geben!


Das hast Du freiwillig getan! Wer den günstigen Sparpreis bucht, muss eben mit den damit verbundenen Einschränkungen, die Dir vor Kauf bekannt waren (siehe AGB), leben! Du kannst auch direkt vor Abfahrt des Zuges die Fahrkarte lösen, löse ich den Flexpreis am Telefon, so geht die DB sogar in Vorleistung!

Zitat

Ich trauere der sogen. Beamtenbahn sehr hinterher, denn die kam. Die Inkompetenz wird immer größer: " Das Land, in dem wir gut und gerne leben." .... hmmmm, tja, war die Dame nicht aus M.-Vorpommern? Oder doch eher aus Bongo-Bongo-Land?


Das ist dumme Polemik.
Hätten wir noch eine Bundesbahn, also ohne Regionalisierung und ohne die Liberalisierung, dann würde es in Deutschland aussehen wie in Frankreich, was also langfristig auf eine Abschaffung der Eisenbahn hinausliefe (der Güterverkehr und die Eisenbahn in der Fläche in Frankreich sind bereits marginalisiert). Eine Behörde ist bereits aufgrund Ihrer Organisation überhaupt nicht in der Lage, am Markt zu bestehen oder auf Veränderungen zu reagieren. Die zahlreichen Streckenstilllegungen und die sinkenden Fahrgastzahlen sprachen für sich. Das nennt sich Inkompetenz!

Beispiele gefällig? Gerne; hier zwei aus meiner Heimat!

    Kraichgaubahn: Die von Dir hoch geschätzte Bundesbahn wollte die Kraichgaubahn stilllegen, da die Bundesbahn keine Antwort auf einen veränderten Markt fand. Sie hat bereits das zweite Gleis abgebaut. Durch das kommunale Engagement verkehren heute Züge im 20-Minuten-Takt!

    Schönbuchbahn: Die Bundesbahn stellte den Personenverkehr 1965 komplett ein. Durch das kommunale Engagement wurde die Strecke reaktiviert und heute fahren 10.000 Fahrgäste mit der Schönbuchbahn. Die Elektrifizierung und der 15-Minuten-Takt sind bereits beschlossen und in der Umsetzung!

    Bahnhof Lauterbourg: Der Bahnhof Lauterbourg liegt an der deutsch-französischen Grenze und wird sowohl von Deutschland als auch von Frankreich bedient. Da die französische Staatsbahn enorm teuer ist, verkehren täglich lediglich fünf Zugpaare, DB Regio bedient Lauterbourg im Rahmen des Verkehrsdurchführungsvertrages mit 18 Zugpaaren täglich!

Natürlich ist die Liberalisierung der deutschen Eisenbahn kein Allheilmittel, aber zu sagen, dass bei der Bundesbahn alles besser lief, ist eine ziemliche Verklärung der Tatsachen.

Und wie kommst Du darauf, dass die Inkompetenz immer größer wird? Zumindest an den Fahrgastzahlen kann man dies nicht festmachen. 2017 stiegen 142 Millionen Fahrgäste in die Fernverkehrszüge der Deutschen Bahn ein!

Deine Schmähkritik zur Bundeskanzlerin lasse ich unkommentiert.

Grüße aus dem Feinstaubkessel
Viet


Viet Bui

RE: Zu Pfingsten mit dem IC von Duisburg nach Ribnitz-Damgarten West ,gebucht, bezahlt - geht nicht

#4 von LDG , 11.05.2018 01:02

Hallo Herbert,

ergänzend zu obigen Angaben von Viet sind für Dich die Punkte 9.1.1 bis 9.1.4 in den AGBs der Bahn von Interesse.
Kurz: Mehr als 20 Minuten Ankunftsverspätung absehbar (9.1.4 (iv) ) gegenüber Deiner gebuchten Fahrkarte dann ist Zugbindung aufgehoben[*] und die Fahrt ist auch eine Produktklasse höher erlaubt z.B.: IC/EC gebucht -> ICE erlaubt[**]. Das habe ich selbst schon genutzt und konnte mein Ziel auf "Umweg" mit ICE noch rechtzeitig erreichen.

[*] das steht auch auf einem Online-Ticket unter "Wichtige Nutzungshinweise"
[**] das steht nur in den AGB (s.o. 9.1.1)

Gruß,
Lothar


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RE: Zu Pfingsten mit dem IC von Duisburg nach Ribnitz-Damgarten West ,gebucht, bezahlt - geht nicht

#5 von Jumbo-44 , 14.05.2018 12:33

...und im Übrigen nimmt die Bahn die fahrkarte kostenfrei (d.h. ohne Bearbeitunsgebühr) zurück, wenn die gebuchte Verbindung nicht mehr existiert.

Ich verstehe die Verärgerung, wenn eine geplante Reise nicht funzt wie gedacht (versuche doch mal einer, diesen Anspruch an Reisen mit dem Auto anzulegen !). Daß man nicht benachrichtigt wird, welbst wenn aus dem Login (und damit mit bekannter Emailadresse) gebucht wurde, treibt mir auch die Zornesröte ins Gesicht.

Aber trotzdem:
die Kirche immer schön im Dorf lassen, die eigenen Rechte wahrnehmen, und blinde Polemik den im Geiste weniger begüterten überlassen!

Gruß,
Mark


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RE: Zu Pfingsten mit dem IC von Duisburg nach Ribnitz-Damgarten West ,gebucht, bezahlt - geht nicht

#6 von Joak , 14.05.2018 20:01

Moin Herbert

Zitat
Ich trauere der sogen. Beamtenbahn sehr hinterher, denn die kam...



Empfehle hier den Beitrag ab 20:50
Die Aussagen des Herrn treffen den Nagel auf dem Kopf!


Nieder mit der DB AG, freie Sicht auf pünktliche Züge

Für alle ´Nichtversteher" dieser Satz sollte sarkastisch gemeint sein.
Sarkasmus bezeichnet beißenden, bitteren Spott und Hohn, in der Polemik angewandte Form der Kritik an gesellschaftlichen Gegebenheiten unterschiedlicher Art.


Grüsse
Hauke

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RE: Zu Pfingsten mit dem IC von Duisburg nach Ribnitz-Damgarten West ,gebucht, bezahlt - geht nicht

#7 von martin65 , 25.05.2018 14:04

[quote="Viet Bui" post_id=1831371 time=1525986301 user_id=28555]

Zitat

Ich trauere der sogen. Beamtenbahn sehr hinterher, denn die kam. Die Inkompetenz wird immer größer: " Das Land, in dem wir gut und gerne leben." .... hmmmm, tja, war die Dame nicht aus M.-Vorpommern? Oder doch eher aus Bongo-Bongo-Land?


Das ist dumme Polemik.
[/quote]

Jo.

[quote="Viet Bui" post_id=1831371 time=1525986301 user_id=28555]
Hätten wir noch eine Bundesbahn, also ohne Regionalisierung und ohne die Liberalisierung, dann würde es in Deutschland aussehen wie in Frankreich, was also langfristig auf eine Abschaffung der Eisenbahn hinausliefe
[/quote]
Das ist eine Meinung - die ich aber nicht teile. Dazu sind die Situationen in Frankreich und Deutschland zu unterschiedlich.


[quote="Viet Bui" post_id=1831371 time=1525986301 user_id=28555]
Eine Behörde ist bereits aufgrund Ihrer Organisation überhaupt nicht in der Lage, am Markt zu bestehen oder auf Veränderungen zu reagieren.
[/quote]

Das ist genau so eine Polemik, wie Du sie dem Vorschreiber vorwirfst.

Bei privatwirtschaftlichen Unternehmen steht die Gewinnoptimierung/Maximierung des Unternehmens üblicherweise gegen die Interessen der Allgemeinheit und bei quasi Oligopolen gibt es kaum einen echten Wettbewerb um Kunden, so dass der "Markt" in solchen Fällen von sich aus nichts regelt und auch eher wenig bis gar nichts für die Kunden/Allgemeinheit verbessert.

Hier mal ein aktuelles Beispiel aus Großbritannien, wo die Privatisierung der Bahn zu dauerhaft schlechterem Service und höheren Kosten für die Bahnkunden geführt hat und wo sich sehr viele Bürger/Kunden deswegen wünschen, die Bahn wieder zu verstaatlichen (und es auch in Teilen schon wieder passiert ist und vermutlich auch weiter passieren wird).

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziale...-a-1208349.html

Natürlich kann man die Situation der Bahn in Großbritannien genausowenig 1:1 auf Deutschland beziehen wie die Situation der Bahn in Frankreich.

Aber es ist ein schönes Beispiel dafür, dass das jahrelang gemurmelte Mantra "durch Privatisierung wird alles besser, weil Behörden das gar nicht so gut können wie Firmen" eben nicht allgemeingültig ist, sondern eher nur eine (bewusste bzw. politisch motivierte) Verklärung der Privatisierung.

Und um den Bogen wieder (ein wenig) zum Ausgangspost und der Verärgerung des Threaderstellers zu bekommen: Aus Wut über den privaten Bahnbetreiber der "Southern", GTR, stellte ein Spieleentwickler das Spiel "Southern Rail Tycoon" ins Netz. Das Ziel des Spiels ist es, von möglichst vielen Fahrgästen Geld kassieren und dann so viele Zugfahrten wie möglich ausfallen zu lassen.


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RE: Zu Pfingsten mit dem IC von Duisburg nach Ribnitz-Damgarten West ,gebucht, bezahlt - geht nicht

#8 von Analogbahner , 25.05.2018 14:46

Ich glaube, der Rückblick auf die "gute alte Bundesbahnzeit" wird einfach dadurch verklärt, dass die Bahn damals einen höheren Stellenwert und einen höheren Marktanteil hatte. In heutigen Zeiten, wo Fliegen und Busse billiger sind, könnte keine Bahn mit diesen Voraussetzungen existieren. Gegen die DB-AG spielt eine ganze bahnfeindliche Politik, die, so gut es eben geht, aufgefangen werden muss - zusätzlich zu der ohnehin bestehenden "Null-Kosten"-Situation. Und dass in Zeiten von "das Billigste der Angebote muss genommen werden" auch die Sachbearbeiter und Koordinatoren nicht die Besten sein können, dürfte verständlich sein. Und - polemisch gesagt - wo der Stolz darauf, der Mitarbeiter eines bestimmten Unternehmens zu sein - und dieser Stolz sich in wertschätzender Arbeit niederschlägt -, systematisch durch "Hire and Fire" abgelöst wird, kann sich auch keine Verantwortungskultur entwickeln. Das hat auch nichts mit "Verbeamtung" oder nicht zu tun. Das betrifft außerdem alle Branchen ...


Gruß Analogbahner


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RE: Zu Pfingsten mit dem IC von Duisburg nach Ribnitz-Damgarten West ,gebucht, bezahlt - geht nicht

#9 von Viet Bui ( gelöscht ) , 25.05.2018 15:01

Guten Tag Martin,

Zitat

[quote="Viet Bui" post_id=1831371 time=1525986301 user_id=28555]
Hätten wir noch eine Bundesbahn, also ohne Regionalisierung und ohne die Liberalisierung, dann würde es in Deutschland aussehen wie in Frankreich, was also langfristig auf eine Abschaffung der Eisenbahn hinausliefe.


Das ist eine Meinung - die ich aber nicht teile. Dazu sind die Situationen in Frankreich und Deutschland zu unterschiedlich.[/quote]
Natürlich sind die Situationen zu unterschiedlich. In Frankreich haben wir de facto eine Staatsbahn. In Frankreich ist abseits der Ligne à grande vitesse kaum noch Eisenbahn vorhanden. Darauf wäre es auch in Deutschland hinausgelaufen, wenn wir noch eine Bundesbahn hätten. Denn sie fand keine Antworten auf den veränderten Markt und reagierte stattdessen nur mit Fahrplanausdünnungen und Streckenstillegungen. Während in Deutschland jede Milchkanne im Stundentakt bedient wird, halten in Mittelzentren in Frankreich nur vereinzelt Züge. Die Bundesbahn und die SNCF sind in einen Teufelskreis geraten, aus dem sie nicht mehr herauskamen bzw. herauskommen. Man hat durch zahlreiche Stilllegungen versucht, den Betrieb rationaler zu gestalten, mit dem Ergebnis, dass das Gesamtsystem unattraktiver wird und so noch stärker unter Druck gerät.

Zitat

[quote="Viet Bui" post_id=1831371 time=1525986301 user_id=28555]
Eine Behörde ist bereits aufgrund Ihrer Organisation überhaupt nicht in der Lage, am Markt zu bestehen oder auf Veränderungen zu reagieren.


Das ist genau so eine Polemik, wie Du sie dem Vorschreiber vorwirfst.[/quote]
Das möchte ich überhaupt nicht polemisch verstanden wissen. Ich habe Dir dafür zu viele Beispiele einer erfolgreichen Regionalisierung genannt. Strecken, die die Bundesbahn stillgelegt hat, werden heute durch das Engagement der Kommunen mit großem Erfolg betrieben. Mit der Bundesbahn hätten wir vermutlich gar keinen Güterverkehr mehr und nur noch auf den wenigsten Strecken Regionalverkehr.

Die Wahrheit liegt vermutlich irgendwo zwischen Privatisierung und Staatsbahn.
Am Beispiel Frankreich sieht man, dass die SNCF als Staatsbahn gar nicht in der Lage ist, den Markt in einer angemessenen Weise zu befriedigen. Wird der Regionalverkehr, wie es die EU fordert, auch in Frankreich ausgeschrieben, dann sehe ich für die SNCF schwarz. Durch ihre Organisation und Struktur ist sie überhaupt nicht in der Lage, irgendeine Vergabe zu gewinnen. Die Belegschaft wehrt sich ja mit Händen und Füßen gegen überfällige Reformen, denn keiner möchte freiwillig Pfründe und Privilegien verzichten.

Grüße aus dem Feinstaubkessel
Viet


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RE: Zu Pfingsten mit dem IC von Duisburg nach Ribnitz-Damgarten West ,gebucht, bezahlt - geht nicht

#10 von Frank 72 , 25.05.2018 15:47

Vielleicht wäre alles supi geworden, wenn einfach die Reichsbahn die Bundesbahn übernommen hätte. Strecken und Personal gab es hier ja genug...
Die spannende Frage hier im Vorbildforum: War unser unaufgeregter Kanditat aus Beitrag Nummer eins nun vergangenes Wochenende in Ribnitz :


Gruß Frank


 
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RE: Zu Pfingsten mit dem IC von Duisburg nach Ribnitz-Damgarten West ,gebucht, bezahlt - geht nicht

#11 von martin65 , 25.05.2018 15:53

[quote="Viet Bui" post_id=1836583 time=1527253319 user_id=28555]

Zitat

[quote="Viet Bui" post_id=1831371 time=1525986301 user_id=28555]

Eine Behörde ist bereits aufgrund Ihrer Organisation überhaupt nicht in der Lage, am Markt zu bestehen oder auf Veränderungen zu reagieren.


Das ist genau so eine Polemik, wie Du sie dem Vorschreiber vorwirfst.[/quote]
Das möchte ich überhaupt nicht polemisch verstanden wissen. Ich habe Dir dafür zu viele Beispiele einer erfolgreichen Regionalisierung genannt. Strecken, die die Bundesbahn stillgelegt hat, werden heute durch das Engagement der Kommunen mit großem Erfolg betrieben.

[/quote]

Ähem ... die Verwaltung dieser von Dir genannten engagierten Kommunen besteht aber auch aus Behörden.

Regionalisierung (z.B. des Nahverkehrs) und Privatisierung (der Bundesbahn), auch wenn es in Deutschland mehr oder weniger zeitgleich erfolgte, sind zwei getrennte Dinge.

Bei der Regionalisierung des Personennahverkehrs in Deutschland wurde ja nicht komplett privatisiert, vielmehr gibt es sogenannte "ÖPNV-Aufgabenträger", also im wesentlichen Behörden, bei denen nach wie vor die Verantwortung liegt, die für die Finanzierung und die Organisation verantwortlich sind, und die z.B. den Betrieb an private Dienstleister jeweils ausschreiben.

Eine vollständige Privatisierung der Bahn ist daher gar nicht erfolgt, denn die sogenannte "Daseinsvorsorge" ist z.B. bei der Regionalisierung in der Hand der Behörden (die sich allerdings z.B. privaten Dienstleistern bedienen können/sollen).

Das ist anders als in anderen Ländern/Staaten, in denen Teile der "Daseinsvorsorge" nicht selten der Gewinnmaximierung rein privatwirtschaftlicher Unternehmen geopfert werden.

[quote="Viet Bui" post_id=1836583 time=1527253319 user_id=28555]
Am Beispiel Frankreich sieht man, dass die SNCF als Staatsbahn gar nicht in der Lage ist, den Markt in einer angemessenen Weise zu befriedigen. Wird der Regionalverkehr, wie es die EU fordert, auch in Frankreich ausgeschrieben, dann sehe ich für die SNCF schwarz. Durch ihre Organisation und Struktur ist sie überhaupt nicht in der Lage, irgendeine Vergabe zu gewinnen. Die Belegschaft wehrt sich ja mit Händen und Füßen gegen überfällige Reformen, denn keiner möchte freiwillig Pfründe und Privilegien verzichten.
[/quote]

Ich stimme Dir zu, dass es bei der (Staats-)Bahn in Frankreich dringend Reformen braucht.

Viele Grüße.


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#12 von Frank 72 , 25.05.2018 16:14

Die Bundesbahn hätte hier eh nicht geholfen, die fuhr auch damals schon nicht nach Ribnitz.


Gruß Frank


 
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RE: Zu Pfingsten mit dem IC von Duisburg nach Ribnitz-Damgarten West ,gebucht, bezahlt - geht nicht

#13 von Erich Müller , 26.05.2018 08:42

Hallo,

Frankreich und Deutschland lassen sich da nun wirklich nicht vergleichen. Zunächst einmal sind die politischen Systeme zu verschieden: Frankreich hat lange und gerade unter gaullistischen Regierungen eine Politik der Staatsbetriebe geführt - bis in die Schwer- und Automobilindustrie. Das Erbe schleppt man mit sich.
Weiter gibt es Beamtenprivilegien, von denen deutsche Beamte nie zu träumen wagten, und das vom Regierungsdirektor über die Krankenschwester bis zu Beppo dem Straßenfeger.
Marktwirtschaft ist kein französisches Konzept, Pluralismus auch nicht...
Dazu kommen gerade bei der SNCF Sonderprivilegien, die in Deutschland nur die Ruhrkohle in vergleichbarem Maß kannte. Wie neulich ein junger Eisenbahner dem Präsidenten ins Gesicht schrie, "können Sie sich vorstellen, wie ich mit 60 einen Zug fahre? Ich nicht!"... das fahrende Personal geht nach derzeitiger Regelung mit 52 in Rente (und mit einer guten Rente, besser als der Normalbürger!), die anderen mit 57. Mir scheint, Lokführer Henschel aus dem berühmten Fernsehbericht war älter als 52.
Schließlich Erdkunde: Frankreich hat soviel Einwohner wie die alte Bundesrepublik, ist aber flächenmäßig um die Hälfte größer als die heutige Bundesrepublik.
In Deutschland gibt es laut Wikipedia

Zitat
79 Großstädte (ab 100.000 Einwohner), davon 14 mit mehr als 500.000 Einwohnern,


und fast keine unbesiedelten Flächen, in Frankreich dagegen nur 40 Städte mit über 100.000 Einwohnern, davon drei mit mehr als 500.000 Einwohnern. Jeder sechste Einwohner lebt im Großraum Paris (10,2 Mio), mehr als jeder vierte in den zehn größten Ballungsräumen. Und dazwischen liegt sehr viel leeres Land. Einige der neuen Großregionen haben weniger Einwohner als Groß-Paris, aber deutlich mehr Fläche als Bayern.
Die angesprochenen Mittelzentren sind meist Städtchen von 20-40.000 Einwohnern und wurden oft nie von mehr als einer Lokalbahn angefahren.
Es gibt Departements ohne Krankenhaus, mangels Bevölkerung - wozu sollten da Reisezüge fahren?

Ganz am Rande bemerkt: die Ausdehnung der Bahn in die Fläche war immer das Resultat politischer Entscheidungen, privatwirtschaftlich betriebene Gesellschaften vermieden unrentable Projekte.


Freundliche Grüße
Erich

„Es hat nie einen Mann gegeben, der für die Behandlung von Einzelheiten so begabt gewesen wäre. Wenn er sich mit den kleinsten Dingen abgab, so tat er das in der Überzeugung, daß ihre Vielheit die großen zuwege bringt.“
Friedrich II. über Fr. Wilhelm I.


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RE: Zu Pfingsten mit dem IC von Duisburg nach Ribnitz-Damgarten West ,gebucht, bezahlt - geht nicht

#14 von Viet Bui ( gelöscht ) , 26.05.2018 11:59

[quote="Erich Müller" post_id=1836863 time=1527316945 user_id=26147]
Die angesprochenen Mittelzentren sind meist Städtchen von 20-40.000 Einwohnern und wurden oft nie von mehr als einer Lokalbahn angefahren.
Es gibt Departements ohne Krankenhaus, mangels Bevölkerung - wozu sollten da Reisezüge fahren?
[/quote]
Guten Tag Erich,

die kleine Stadt Wissembourg mit etwa 7.600 Einwohnern liegt an der deutsch-französischen Grenze und besitzt auch einen (Kopf-)Bahnhof, an dem Züge aus Strasbourg und aus Deutschland enden.
Es ist interessant, dass das Land Rheinland-Pfalz deutlich mehr Züge dahin bestellt, als die Region Grand Est (das Gleiche gilt noch krasser für Lauterbourg). Ich kann im Stundentakt von Wissembourg nach Neustadt an der Weinstraße fahren, aber nur im Zwei-Stunden-Takt nach Strasbourg.

Interessant also, wie unterschiedlich der Verkehrsbedarf von den Aufgabenträgern gesehen wird.

Grüße aus dem Feinstaubkessel
Viet


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